“Schwarze Blumen” – Steve Mosby

Februar 3, 2012 in Rezensionen, Thriller

Je mehr ich erfuhr, desto gefährlicher erschien mir die Geschichte des Mädchens.
So viele Menschen, die damit in Berührung gekommen waren, hatte ihr heimtückischer Sog erfasst. Handlungsstränge aus dem wirklichen Leben wurden fiktionalisiert, doch die Romanerzählungen schienen nach dem realen Leben zu greifen und sich um die Menschen zu schlingen. Um sie in die Geschichte hineinzuziehen.“

 

Ein rätselhafter Tod, ein geheimnisvolles Mädchen, ein Mann auf der Suche nach seiner Geliebten, die sich in den Fängen eines grausamen Unbekannten befindet – ja, das klingt nach Zutaten für einen guten Thriller. Und ja, das klingt nur allzu bekannt. Gut, dass Steve Mosby sich in „Schwarze Blumen“ nicht mit diesen Zutaten allein zufrieden gibt.

Mosbys neuer Roman erzählt nämlich nicht bloß eine Geschichte. „Schwarze Blumen“ ist ein Buch im Buch, eine Erzählung auf verschiedenen Ebenen. Und zwar nicht nur, was die Handlung angeht. „Schwarze Blumen“ ist ein in vieler Hinsicht fast philosophisches Buch über die Macht des Schreibens und des Schreibenden, darüber, was ein Schriftsteller bewirken, aber auch anrichten kann.

Keine Sorge, man muss nicht Kant studieren, bevor man sich in Steve Mosbys Buch vertieft. Doch man muss sich auf die Geschichte einlassen, denn wer knallharte Action und knisternde Spannung erwartet, muss sich bis zum Ende des Buches gedulden, wird fürs Warten aber auch mit einem fulminanten Finale belohnt.

Langweilig ist es vorher auch nicht. Neil Dawson, die Hauptfigur der Rahmenhandlung, erfährt, dass sein Vater, ein Romanautor und sein großes Vorbild, tot ist. Angeblich soll er sich von einer Brücke in Whitkirk, einem kleinen Badeort, gestürzt haben. Neil findet im Haus seines Vaters ein altes Buch namens „Die schwarze Blume“. Das Buch handelt von einem kleinen Mädchen, das eines Tages plötzlich auftaucht und einem Polizisten berichtet, es sei von der Farm seines Vaters geflohen, wo dieser Menschen quäle und töte. Neil findet heraus, dass es das Mädchen vor vielen Jahren tatsächlich gegeben hat. Stimmt etwa auch der Rest der Geschichte? Existiert die grausige Farm tatsächlich? Und was hat sein Vater damit zu tun?

Wenig später verschwindet Neils Freundin Ally, und der Entführer meldet sich mit der unheilvollen Botschaft, er habe sie in seine „Familie“ aufgenommen. Der junge Uni-Dozent, der eigentlich Schriftsteller sein will, macht sich auf die Suche nach Ally und nach der Wahrheit. Realität und Fiktion überlagern sich und verschwimmen miteinander, immer wieder flicht Mosby in seinen Roman Ausschnitte aus dem Buch, das Neil gefunden hat, ein. Neil muss sich während seiner Suche aber auch mit seiner eigenen Schuld an der Entwicklung der Dinge auseinandersetzen, denn er selbst hat kurz vor dem Tod seines Vaters eine Geschichte geschrieben, die offenbar in die falschen Hände geraten ist und deren Inhalt er nun bitter bereut.


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Interview mit Steve Mosby auf der Homepage des Droemer-Verlags