Fernsehkritik – “Rizzoli & Isles”

März 26, 2012 in Hintergrund

Tess Gerritsen hat die Vorlage für "Rizzoli & Isles" geliefert. Foto: Derek Henthorn

Eins vorab: Wer in der Krimiserie „Rizzoli & Isles“ eine originalgetreue Adaption der Tess-Gerritsen-Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Ja, Jane Rizzoli ist die etwas ruppige Polizistin, und Dr. Maura Isles ist die elegante Gerichtsmedizinerin. Damit hören die Gemeinsamkeiten mit den Romanen aber bereits auf, denn von der Vielschichtigkeit der Psychothriller aus Gerritsens Feder ist in der Fernseh-Version nichts übriggeblieben.

In den USA läuft die Serie seit 2009 überaus erfolgreich. In Deutschland sind bislang zwei Folgen gesendet worden. Die Pilot-Episode ist an Gerritsens erfolgreichen Thriller „Der Meister“ angelehnt: Jane Rizzoli und Maura Isles sind einem Mörder auf der Spur, der offenbar die Vorgehensweise des nekrophilen Warren Hoyt kopiert, der einst Rizzoli selbst entführte und folterte und für seine Taten im Gefängnis sitzt.



Ob man an eine Krimiserie generell den Anspruch stellen sollte, einen psychologischen Thriller in all seinen Facetten innerhalb von 45 Minuten zu entfalten und dabei noch den persönlichen Hintergrund der Protagonisten tiefgründig auszuleuchten, sei dahingestellt. Beides gelingt „Rizzoli & Isles“ jedenfalls ganz und gar nicht. Die Hauptfiguren sind, anders als in den Büchern, keine vielschichtigen Persönlichkeiten mit schwieriger Vergangenheit beziehungsweise einem komplizierten Privatleben. Stattdessen schaut sich Maura Isles, im Buch die nüchterne, unterkühlte Wissenschaftlerin, am Computer im Obduktionsraum online schicke High-Heels an. Und Jane Rizzoli, die im Buch Ecken und Kanten, struppige schwarze Locken und eine stämmige Figur hat, ist auf der Mattscheibe eine umwerfende, herbe Schönheit, deren unorthodoxe Art die Serie wohl einzig darüber definieren will, dass sie sich auch mal das T-Shirt dreckig macht und Baseball spielt.

Niemand könnte leugnen, dass Figuren wie Fälle fürs Fernsehen stark vereinfacht wurden und dass die Macher der Serie der Rahmenhandlung einen ganz gewaltigen Schuss „Sex & The City“ beimischen – kein Leser der Gerritsen-Romane hätte sich wohl Rizzoli und Isles nebeneinander auf dem Bett liegend und über Männer kichernd ausmalen können. Das mag Gerritsen-Fans befremden. Aber: Eine schlechte Krimiserie ist „Rizzoli & Isles“ dadurch nicht. Die Fälle sind dennoch spannend, die Figuren sind, wenn auch eindimensional, so doch sympathisch. Und man hat etwas zu lachen, wenngleich der Humor nicht so tiefgründig ist wie der Gerritsens. Wer „Rizzoli & Isles“ ständig mit den Büchern vergleicht, kann nur enttäuscht werden. Alle anderen können sich von der Serie gut unterhalten lassen. Und an der Großartigkeit der Romane hat sich, anders als von manchem Kritiker unterstellt, durch die Sendung nichts geändert, wie Tess Gerritsens „Grabesstille“ beweist.

“Rizzoli & Isles” läuft mittwochs um 20.15 Uhr auf VOX.