Oliver Harris – London Killing

März 24, 2012 in Krimis, Rezensionen, Thriller

 

Polizisten mit Suchtproblemen, die es mit dem Gesetz manchmal nicht allzu genau nehmen, sind im Krimigenre längst nichts Neues mehr. Doch während etwa Harry Hole, der geniale Ermittler aus den Jo-Nesbo-Romane, ein guter Polizist ist, dem sein Alkoholismus im Weg steht, hat Oliver Harris mit Nick Belsey einen Ermittler erfunden, dem eher sein Job bei seinen Ausschweifungen im Weg steht.

In der Eröffnungssequenz des Buches wird der Leser sofort mit diesen Ausschweifungen konfrontiert.

Belsey erwacht nach einer durchzechten Nacht ramponiert und verkatert mitten in den Hecken des Hampstead Heath Parks, einer Art idyllischen Dorfs in einer wohlhabenden Gegend der englischen Hauptstadt, und kann sich an nichts erinnern. Das ist ein bisschen abstoßend – und ziemlich spannend.

Was wirklich in dieser Nacht passiert ist, ergründet Belsey ebenso wie der Leser nach und nach. Der Londoner Polizist hat es mit seiner Arbeit offenbar noch nie so genau genommen und lieber dem Glücksspiel und Amüsement gefrönt, was ihm einen Haufen Schulden, ein ruiniertes Privatleben und ein Disziplinarverfahren eingebracht hat. Da kommt es Belsey gerade recht, dass Alex Devereux, ein russischer Oligarch, vermisst wird: Er beschließt, die Identität des Verschwundenen zu stehlen und ein neues Leben anzufangen.

Doch Belsey ist nicht der Erste, der diese Idee hatte. Er sieht sich plötzlich einem Netz aus Mord, Betrug und Korruption gegenüber, und ehe er sich’s versieht, steckt er mittendrin. Plötzlich muss er sich wieder auf seine Qualitäten als Polizist besinnen, um heil aus der Sache herauszukommen. So entsteht eine originelle, aber nicht allzu abgehobene Kriminalgeschichte mit Thriller-Elementen.

Oliver Harris‘ Debüt, dem er weitere Romane mit der Hauptfigur Nick Belsey folgen lassen will, besticht dadurch, dass der Autor die Grenzen des guten Geschmacks und der Moral bewusst überschreitet. In „London Killing“ scheint jeder Dreck am Stecken zu haben, und Harris nutzt etliche Hintertürchen, um den Leser gleichzeitig zu verwirren und bei Laune zu halten. Dabei ist die Handlung zwar komplex, aber nicht in sich unlogisch, so dass es bis zuletzt spannend und unterhaltsam bleibt. Auf die Folgeromane mit Nick Belsey kann man gespannt sein.

In diesem Video liest Oliver Harris übrigens nicht, wie der Titel andeutet, aus “London Killing”. Stattdessen spricht er darüber, warum und wie der Roman entstanden ist, und man kann sich selbst ein Bild von Hampstead, wo der Roman spielt, machen.